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Wenn´s zwischen den Zehen juckt, mal zwei, drei Tage die Creme auftragen, die auch bei der Ehefrau so gut geholfen hat?
Die Pickel und Pusteln rasch mit dem Abdeckstift vom Discounterverschwinden lassen? Bei trockener, schuppiger Haut tut´s
auch die Aftersun-Lotion vom letzten Sommer? So einfach lassen sich
Hautprobleme meist leider nicht beheben. Statt mit beliebigen Sälbchen
und Cremes aus der Hausapotheke sollten Hauterkrankungen gezielt
vom Hautarzt behandelt werden.
„Wer wahllos zu Tuben und Tiegeln greift, um Hautprobleme selbst zu beheben,
kann dabei fatale Fehler machen“, berichtet Dr. Joachim Kresken, Apotheker
in Viersen und Vorsitzender der Gesellschaft für Dermopharmazie e.V.
Schon die Darreichungsform – ob als Gel, Lotion, Creme oder Salbe – beeinflusst,
wie gut eine äußerliche, sogenannte topische Behandlung hilft (siehe
Kasten). Werden beispielsweise akut entzündete Hautareale des Neurodermitis-
kranken Kindes allein mit einer Fettsalbe behandelt, kann es zu einem
Wärmestau kommen, der Entzündung und Juckreiz noch verschlimmert.
Stattdessen sind in der akuten Phase feuchte Umschläge über einer Creme
oder kühlende Lotionen sinnvoller. Chronische, stark schuppende Hautekzeme
dagegen trocknen durch Emulsionen mit hohem Wasseranteil noch
mehr aus, da sie der Haut beim Verdunsten Feuchtigkeit entziehen – Cremes
und Salben, die der Haut neben Feuchtigkeit auch Fett zuführen, eignen sich
hier meist besser.
Was an der Haut vertragen wird, ist zudem oft nicht für die Schleimhäute im
Mund- oder Genitalbereich geeignet, erklärt Joachim Kresken.
„Die Darreichungsform hat zudem erheblichen Einfluss, wie enthaltene
Arzneistoffe freigesetzt, von der Haut aufgenommen und abgebaut
werden. Selbst bei gleichen Wirkstoffen können sich daher verschieden
zubereitete topische Therapeutika in ihrem therapeutischen Effekt
unterscheiden“, betont Dr. Kresken.
Welche Zubereitung am besten zum jeweiligen Hautproblem passt, ist
oft nicht einfach zu entscheiden – hier ist die Erfahrung des Hautarztes
gefragt, der sowohl die passende Grundlage als auch gezielt den richtigen
Wirkstoff verordnen kann. „Die äußerliche Therapie ist ebenso
anspruchsvoll wie die Behandlung mit Arzneimitteln zum Einnehmen“,
betont Dr. Oliver Wilde, Hautarzt in Gilching bei München.
Für zahlreiche Hauterkrankungen sind zwar rezeptfreie Arzneimittel erhältlich
- „falsch eingesetzt, können diese jedoch manchmal mehr
schaden als nützen“, warnt der Dermatologe. Nicht selten „doktern“
beispielsweise Patienten monate- oder gar jahrelang selbst an einem
Fußpilz herum – bis sich herausstellt, das sie von einem Problemkeim
befallen sind, gegen den die üblichen Breitband-Antipilzmittel wirkungslos
sind.
Auch Hautentzündungen sollten nicht ohne ärztlichen Rat mit einem
beliebigen Kortisonpräparat behandelt werden, da die Nebenwirkungen
gravierend sein können. Nicht selten werden so zudem bakterielle
Infektionen verschlimmert, die zusätzlich zum Beispiel mit einem
desinfizierenden Wirkstoff oder einem Antibiotikum behandelt werden
müssen. Bei akuten Neurodermitis-Schüben beispielsweise sei
es wichtig, sich vom Dermatologen ein Kortison in genau der richtigen
Wirkstärke verordnen zu lassen, das ausreichend effektiv, aber möglichst
nebenwirkungsarm ist, erklärt Dr. Wilde.
Besonders „experimentierfreudig“ sind Akne-Patienten, weiß der Hautarzt.
Von Alkoholtinkturen aus dem Supermarkt bis Fettcreme von der
Freundin wird alles ausprobiert. Doch die falsche Behandlung kann die
Pickel und Pusteln noch verschlimmern und zusätzliche Hautirritationen
hervorrufen. Eine dermatologische Therapie, die an den ursächlichen
Faktoren ansetzt und durch eine Aknetoilette bei einer geschulten
Kosmetikerin ergänzt wird, sei hier erfolgversprechender.
Bei geschädigter Haut ist auch das Risiko besonders groß, dass es zu
allergischen Reaktionen auf äußerlich angewendete Mittel kommt, insbesondere
auf Konservierungs- und Duftstoffe, warnt Wilde.
Ein weiteres Problem sei die Hygiene bereits angebrochener Packungen.
Wer zur vorrätigen Tube aus der Hausapotheke greift, die bereits
vor Monaten so gut geholfen hat, kann sich rasch eine Infektion
mit Bakterien einfangen. Denn das Haltbarkeitsdatum auf der Packung
gilt nur für ungeöffnete Produkte. Übrigens bleibt auch Verbandsmaterial
nur steril, solange es verschlossen aufbewahrt wird.
Creme, Salbe & Co: Auf die Grundlage kommt es an
Lösungen: wirken kühlend und austrocknend; geeignet für feuchte Umschläge,
beispielsweise bei Sonnenbrand
oder akuten Ekzemen
Schüttelmixturen: enthalten feste, in
Flüssigkeit nicht lösliche Bestandteile
wie beispielsweise Zinkoxid; erzielen
über Verdunstungskälte juckreizstillende
Wirkung, ein weißlicher Belag bleibt zurück
Pasten: sind abdeckend, können Flüssigkeit
aufnehmen und wirken austrocknend
sowie entzündungshemmend;
Gele: fettfreie Hydrogele wirken kühlend
und juckreizstillend
Emulsionen: dazu zählen Lotionen,
Cremes und Salben; sie enthalten Fettund
Wasserphasen in unterschiedlichen
Anteilen; Wasser-in-Öl-Emulsionen
(W/O-Emulsionen) sind fettreicher als
Öl-in-Wasser-Emulsionen (O/W-Emulsionen)
Lotionen: stark wasserhaltige O/WEmulsionen
wirken kühlend; Lotionen
vom Emulsionstyp W/O, die weniger
Wasser enthalten und höhere Lipidanteile
besitzen, sind für trockene Hautzustände
im Regelfall besser geeignet als
O/W-Lotionen
Cremes: spenden je nach Zusammensetzung
Fett und Feuchtigkeit
Salben: fettreiche Emulsionen für trockene
Haut, wirken abdeckend und verbleiben
länger auf der Haut
Fettsalben: wasserfrei, wirken stark fettend
und abdeckend |