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Gezielt therapieren statt selber ausprobieren

8. Februar 2010 - Dr. Joachim Kresken, Dr. Oliver Wilde

Wenn´s zwischen den Zehen juckt, mal zwei, drei Tage die Creme auftragen, die auch bei der Ehefrau so gut geholfen hat? Die Pickel und Pusteln rasch mit dem Abdeckstift vom Discounterverschwinden lassen? Bei trockener, schuppiger Haut tut´s auch die Aftersun-Lotion vom letzten Sommer? So einfach lassen sich Hautprobleme meist leider nicht beheben. Statt mit beliebigen Sälbchen und Cremes aus der Hausapotheke sollten Hauterkrankungen gezielt vom Hautarzt behandelt werden. „Wer wahllos zu Tuben und Tiegeln greift, um Hautprobleme selbst zu beheben, kann dabei fatale Fehler machen“, berichtet Dr. Joachim Kresken, Apotheker in Viersen und Vorsitzender der Gesellschaft für Dermopharmazie e.V. Schon die Darreichungsform – ob als Gel, Lotion, Creme oder Salbe – beeinflusst, wie gut eine äußerliche, sogenannte topische Behandlung hilft (siehe Kasten). Werden beispielsweise akut entzündete Hautareale des Neurodermitis- kranken Kindes allein mit einer Fettsalbe behandelt, kann es zu einem Wärmestau kommen, der Entzündung und Juckreiz noch verschlimmert. Stattdessen sind in der akuten Phase feuchte Umschläge über einer Creme oder kühlende Lotionen sinnvoller. Chronische, stark schuppende Hautekzeme dagegen trocknen durch Emulsionen mit hohem Wasseranteil noch mehr aus, da sie der Haut beim Verdunsten Feuchtigkeit entziehen – Cremes und Salben, die der Haut neben Feuchtigkeit auch Fett zuführen, eignen sich hier meist besser.

Was an der Haut vertragen wird, ist zudem oft nicht für die Schleimhäute im Mund- oder Genitalbereich geeignet, erklärt Joachim Kresken. „Die Darreichungsform hat zudem erheblichen Einfluss, wie enthaltene Arzneistoffe freigesetzt, von der Haut aufgenommen und abgebaut werden. Selbst bei gleichen Wirkstoffen können sich daher verschieden zubereitete topische Therapeutika in ihrem therapeutischen Effekt unterscheiden“, betont Dr. Kresken.

Welche Zubereitung am besten zum jeweiligen Hautproblem passt, ist oft nicht einfach zu entscheiden – hier ist die Erfahrung des Hautarztes gefragt, der sowohl die passende Grundlage als auch gezielt den richtigen Wirkstoff verordnen kann. „Die äußerliche Therapie ist ebenso anspruchsvoll wie die Behandlung mit Arzneimitteln zum Einnehmen“, betont Dr. Oliver Wilde, Hautarzt in Gilching bei München. Für zahlreiche Hauterkrankungen sind zwar rezeptfreie Arzneimittel erhältlich - „falsch eingesetzt, können diese jedoch manchmal mehr schaden als nützen“, warnt der Dermatologe. Nicht selten „doktern“ beispielsweise Patienten monate- oder gar jahrelang selbst an einem Fußpilz herum – bis sich herausstellt, das sie von einem Problemkeim befallen sind, gegen den die üblichen Breitband-Antipilzmittel wirkungslos sind.

Auch Hautentzündungen sollten nicht ohne ärztlichen Rat mit einem beliebigen Kortisonpräparat behandelt werden, da die Nebenwirkungen gravierend sein können. Nicht selten werden so zudem bakterielle Infektionen verschlimmert, die zusätzlich zum Beispiel mit einem desinfizierenden Wirkstoff oder einem Antibiotikum behandelt werden müssen. Bei akuten Neurodermitis-Schüben beispielsweise sei es wichtig, sich vom Dermatologen ein Kortison in genau der richtigen Wirkstärke verordnen zu lassen, das ausreichend effektiv, aber möglichst nebenwirkungsarm ist, erklärt Dr. Wilde.

Besonders „experimentierfreudig“ sind Akne-Patienten, weiß der Hautarzt. Von Alkoholtinkturen aus dem Supermarkt bis Fettcreme von der Freundin wird alles ausprobiert. Doch die falsche Behandlung kann die Pickel und Pusteln noch verschlimmern und zusätzliche Hautirritationen hervorrufen. Eine dermatologische Therapie, die an den ursächlichen Faktoren ansetzt und durch eine Aknetoilette bei einer geschulten Kosmetikerin ergänzt wird, sei hier erfolgversprechender. Bei geschädigter Haut ist auch das Risiko besonders groß, dass es zu allergischen Reaktionen auf äußerlich angewendete Mittel kommt, insbesondere auf Konservierungs- und Duftstoffe, warnt Wilde. Ein weiteres Problem sei die Hygiene bereits angebrochener Packungen. Wer zur vorrätigen Tube aus der Hausapotheke greift, die bereits vor Monaten so gut geholfen hat, kann sich rasch eine Infektion mit Bakterien einfangen. Denn das Haltbarkeitsdatum auf der Packung gilt nur für ungeöffnete Produkte. Übrigens bleibt auch Verbandsmaterial nur steril, solange es verschlossen aufbewahrt wird.

Creme, Salbe & Co: Auf die Grundlage kommt es an

Lösungen: wirken kühlend und austrocknend; geeignet für feuchte Umschläge, beispielsweise bei Sonnenbrand oder akuten Ekzemen
Schüttelmixturen: enthalten feste, in Flüssigkeit nicht lösliche Bestandteile wie beispielsweise Zinkoxid; erzielen über Verdunstungskälte juckreizstillende Wirkung, ein weißlicher Belag bleibt zurück Pasten: sind abdeckend, können Flüssigkeit aufnehmen und wirken austrocknend sowie entzündungshemmend;
Gele: fettfreie Hydrogele wirken kühlend und juckreizstillend
Emulsionen: dazu zählen Lotionen, Cremes und Salben; sie enthalten Fettund Wasserphasen in unterschiedlichen Anteilen; Wasser-in-Öl-Emulsionen (W/O-Emulsionen) sind fettreicher als Öl-in-Wasser-Emulsionen (O/W-Emulsionen)
Lotionen: stark wasserhaltige O/WEmulsionen wirken kühlend; Lotionen vom Emulsionstyp W/O, die weniger Wasser enthalten und höhere Lipidanteile besitzen, sind für trockene Hautzustände im Regelfall besser geeignet als O/W-Lotionen
Cremes: spenden je nach Zusammensetzung Fett und Feuchtigkeit
Salben: fettreiche Emulsionen für trockene Haut, wirken abdeckend und verbleiben länger auf der Haut
Fettsalben: wasserfrei, wirken stark fettend und abdeckend

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