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Biologikum ist eine gute Therapieoption

22 September 2020 - Dr. Uwe Schwichtenberg

Neurodermitis ist eine häufige, chronische Hauterkrankung, die sowohl im Kindes‐ und Jugendalter als auch bei Erwachsenen vorkommt. Etwa 13 % der Kinder und zwei bis drei % der Erwachsenen sind betroffen. Ärztinnen und Ärzten steht für die Behandlung eine Vielzahl von Arzneimitteln und Therapieverfahren zur Verfügung. Dazu zählen äußerlich anwendbare Therapeutika wie auch systemisch wirksame Medikamente. Für die Systemtherapie ist hierzulande seit drei Jahren ein Biopharmazeutikum zugelassen. Ein Anlass, die S2k-Leitlinie Neurodermitis der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e.V. (DDG) zu aktualisieren. Das neugefasste Kapitel nimmt die Biologika dabei besonders in den Blick.

Erkennbar ist die Neurodermitis („atopisches Ekzem“ oder „atopische Dermatitis“) an einer allgemein trockenen Haut mit geröteten, entzündeten Stellen, an Knötchen sowie an einer Vergröberung und Verdickung der Haut. Besonders belastend für die Patientinnen und Patienten ist ein starker Juckreiz an den betroffenen Stellen. Dazu zählen meist die Arm- und Kniebeugen, der Nacken und die Hände. Ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener – die Neurodermitis beeinflusst alle Lebensbereiche und reduziert die Lebensqualität. 

Je nach Schweregrad der Erkrankung passt die Dermatologin/der Dermatologe die therapeutische Vorgehensweise an. Orientierung gibt dabei ein Stufensystem. „Bei jeder der insgesamt vier Stufen ist ein zentraler Bestandteil die sogenannte topische Basistherapie, das heißt, die äußerliche Behandlung direkt an der erkrankten Hautstelle mit Salben, Cremes und Lotionen“, sagt Professor Dr. med. Peter Elsner, Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena und Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Die Basistherapie wird entsprechend des Schweregrades durch eine spezifische Therapie ergänzt. Bei einer schweren, andauernden Neurodermitis kommen für die entzündungshemmende Therapie auch Arzneimittel zum Einsatz, die eingenommen oder gespritzt werden. „Die Fortschritte auf diesem Gebiet sind beeindruckend“, erläutert Elsner. Umso wichtiger sei es, aktuelle Studiendaten zur Anwendung in den Blick zu nehmen und auszuwerten.

2017 wurde das Biologikum Dupilumab in Deutschland für die Behandlung mittelschwer bis schwer ausgeprägter Neurodermitis bei Erwachsenen und seit August 2019 für Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen, die mit topischen Medikamenten alleine nicht ausreichend behandelt werden können. Dupilumab ist ein Biopharmazeutikum. Biologika werden biotechnologisch hergestellt, sie sind in lebenden Zellen oder Organismen produzierte Wirkstoffe mit sehr komplexen Strukturen. Der monoklonale Antikörper Dupilumab hemmt die Bindung von zwei Schlüsselbotenstoffen der allergischen Entzündung an deren Rezeptoren und wird alle zwei Wochen vom Patienten selbst gespritzt.

Die Mitglieder der Leitliniengruppe untersuchten aktuelle klinische Studien zur Wirksamkeit von Dupilumab und zu dessen Nebenwirkungen. Leitlinien-Koordinator Professor Dr. med. Thomas Werfel, Stellvertretender Klinikdirektor der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie an der Medizinischen Hochschule Hannover und Mitglied im Vorstand der DDG erläutert: „Bezüglich Dupilumab gibt es einen starken Konsens, das Biologikum bei Jugendlichen ab zwölf Jahren und bei Erwachsenen mit moderater bis schwerer Neurodermitis einzusetzen, wenn die Behandlung mit topischen Medikamenten nicht wirksam ist.“ Die aktuellen Studien zeigten, dass es bei circa 2/3 der Patienten zu einer mindestens 75-prozentigen Verbesserung des Schweregradscores EASI (Eczema Area and Severity Index) innerhalb von 16 Wochen mit einem anhaltenden Effekt über 1 Jahr kam. Zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen, die in kontrollierten Studien in den Behandlungsgruppen und signifikant seltener in den Kontrollgruppen auftraten, gehörten Reaktionen an der Injektionsstelle. „Für die Patientinnen und Patienten haben wir mit Dupilumab eine wirksame und im Gegensatz zu bisherigen systemischen Therapieoptionen auch für die Langzeitanwendung geeignete Behandlung“, ergänzt Professor Dr. med. Alexander Nast, Leitender Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin und Leiter der Kommission für Qualitätssicherung in der Dermatologie. In der Entwicklung befinden sich weitere vielversprechende Substanzen, die im nächsten Update der Leitlinie Berücksichtigung finden werden. 

Bei Jugendlichen und Erwachsenen sollte jedoch beachtet werden, dass Impfungen mit Lebendimpfstoffen beispielsweise gegen Masern, Mumps, Röteln oder Gelbfieber nicht gleichzeitig mit dem monoklonalen Antikörper erfolgen dürfen. Andere Impfstoffe sind unproblematisch und laut ersten Studien auch wirksam. DDG-Medienbeauftragter Elsner begrüßt die Novelle des Systemtherapiekapitels in der Neurodermitis-Leitlinie: „Es ist wichtig für Dermatologen und Patienten zu erfahren, dass wir jetzt für die Behandlung der schweren Neurodermitis nicht nur das schon ältere Immunsupressivum Ciclosporin A haben, bei dem Nutzen und Risiko sehr genau abgewogen werden müssen, sondern einen – nach allem was wir wissen – sicheren und wirksamen monoklonalen Antikörper“.

Quelle: Auszüge Pressemitteilung Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG)

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