Startseite Aktuelles Grundlagen Arztbesuch Diagnostik Therapie Vorbeugen Expert*innen-Rat Häufige Fragen Links Newsletter Impressum
 
menü | Startseite : Aktuelles

Aktuelles

Mit 3D-Druck gegen Hautkrankheiten

21. Januar 2026 - Dr. Uwe Schwichtenberg

Ungefähr ein Viertel der europäischen Bevölkerung leidet unter chronisch entzündlichen Hautkrankheiten wie Psoriasis, Neurodermitis oder Akne. Therapien dafür zu erforschen ist oft schwierig. Tierversuche – abgesehen davon, dass sie grundsätzlich ethisch problematisch sind – liefern oft keine guten Ergebnisse, weil sich tierische Haut anatomisch und im Immunverhalten oft stark von menschlicher Haut unterscheidet.


Man braucht daher neue Modelle, an denen man Hautkrankheiten erforschen kann – und diese Lücke kann 3D-Druck mit Biomaterialien schließen. An der TU Wien wird daran seit Jahren geforscht, nun konnte man anhand mehrerer Hautkrankheiten zeigen, dass sich 3D-gedrucktes Gewebe in der Dermatologie mit großem Erfolg einsetzen lässt. In einem neuerschienenen Review-Artikel wird diese Arbeit nun präsentiert.

Auf der Suche nach dem passenden Hautmodell

„Man hat bisher verschiedene Methoden angewendet, um Proben herzustellen, die menschlicher Haut ähnlich sind“, sagt Prof. Georg Stary von der Universitätsklinik für Dermatologie der Medizinischen Universität Wien, Mitautor der Studie. "Man kann etwa Bindegewebezellen in eine Kollagen-Lösung einbetten und kultivieren. Dabei hat man aber kaum Kontrolle über die räumliche Struktur, die entstehende Zellschicht ist nicht besonders langlebig, und es ist kaum möglich, Immunzellen oder Blutgefäße in die Struktur zu integrieren, die bei chronischen Entzündungen eine entscheidende Rolle spielen.“

Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte Self-Assembly-Methode: Man kultiviert Bindegewebezellen mit viel Vitamin C, die dann ihre eigene extrazelluläre Matrix aufbauen, die der Zellstruktur ihre Form gibt. „Das ist aber sehr langwierig und arbeitsintensiv, und man hat das Problem mangelnder Reproduzierbarkeit“, sagt Georg Stary. „Die Proben entwickeln sich oft ganz unterschiedlich, man hat wenig Kontrolle über die Struktur, die sich auf diese Weise bildet.“

Haut aus dem Tintenstrahler

„Genau diese Probleme können wir mit unserer 3D-Druck-Methode lösen“, sagt Aleksandr Ovsianikov. „Wir bauen aus lebenden Zellen, Biopolymeren und sorgfältig ausgewählten Materialien Schicht für Schicht ein dreidimensionales Gewebe auf.“ Aus Zellen und einem Hydrogel wird eine dickflüssige „Bio-Tinte“ erzeugt, die dann in kleinen Tropfen aufgetragen wird, ähnlich wie Farbe in einem Tintenstrahldrucker.

An der TU Wien wurde gezeigt: Die Wahl des Hydrogels und der Zelltypen ist für den Erfolg des Modells entscheidend. Je nachdem, wofür man das Hautmodell verwenden möchte, braucht man speziell designte Bio-Tinten.

Maßgeschneiderte Strukturen für unterschiedliche Zwecke

So entstanden in den 3D-Druckern der TU Wien auf kontrollierte, präzise reproduzierbare Weise Hautmodelle, an denen dann unterschiedliche Krankheiten studiert werden konnten: „Wir haben psoriatische Modelle entwickelt, die T-Zellen enthalten – die Immunzellen, die bei Psoriasis eine chronische Entzündung auslösen“, sagt Andrea Gabriela Ulloa-Fernández (TU Wien). „An diesen Modellen kann man studieren, wie die Struktur auf bestimmte Medikamente reagiert.“
Auch Entzündungsmodelle konnten mit der 3D-Druck-Methode hergestellt werden, um entzündungshemmende Substanzen zu testen. Sogar Strukturen mit Blutgefäßen lassen sich erzeugen, etwa um vaskuläre Schäden bei Diabetes zu studieren.

„Mit unserer Methode können wir gezielt definieren, welche Form die extrazelluläre Matrix haben soll, in der sich die Zellen anlagern und vermehren“, sagt Ulloa-Fernández. „Das gibt uns ein ganz anderes Maß an Kontrolle über das Endergebnis, als das bisher möglich war. Wir hoffen, mit unseren künstlichen Hautmodellen die Forschung an einer breiten Palette von Hautkrankheiten nun einen entscheidenden Schritt voranzubringen.“

Quelle: Pressemeldung Technische Universität Wien


Weitere News-Beiträge

2026
Archiv
2025 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2025 anzeigen
2024 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2024 anzeigen
2023 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2023 anzeigen
2022 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2022 anzeigen
2021 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2021 anzeigen
2020 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2020 anzeigen
2019 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2019 anzeigen
2018 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2018 anzeigen
2017 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2017 anzeigen
2016 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2016 anzeigen
2015 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2015 anzeigen
2014 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2014 anzeigen
2013 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2013 anzeigen
2012 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2012 anzeigen
2011 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2011 anzeigen
2010 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2010 anzeigen
2009 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2009 anzeigen
2008 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2008 anzeigen
2007 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2007 anzeigen
2006 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2006 anzeigen
2005 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2005 anzeigen
2004 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2004 anzeigen
2003 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2003 anzeigen
Die Inhalte von Neurodermitistherapie.info können und sollen keinen Arztbesuch ersetzen und stellen keine Anleitung zur Selbstmedikation oder Selbstdiagnose dar. Die Informationen dieser Webseiten inklusive der Experten-Sprechstunden sollen zur Erlangung zusätzlicher Informationen zu einer bereits gestellten Diagnose oder zur Vorbereitung eines Arztbesuches dienen. Empfehlungen hinsichtlich Diagnoseverfahren, Therapieformen, Medikamenten oder anderer Produkte werden nicht gegeben.
Bitte lesen Sie hierzu die Nutzungsbedingungen mit Haftungsausschluss und beachten unsere Datenschutzerklärung.
© 2024 medical project design GmbH