Mit den topischen Immunmodulatoren stehen in der Behandlung der Neurodermitis (atopisches Ekzem) seit kurzem erstmalig kortisonfreie Arzneimittel zur Verfügung, die in ihrer Wirkung auf den Juckreiz und das Ekzem mit dem Kortison vergleichbar sind, ohne dessen unerwünschte Wirkungen zu haben. Bei Kortisoncremes fürchtet man bei langfristigem Einsatz vor allem den negativen Effekt auf den Kollagenstoffwechsel, der zur sogenannten "Pergamenthaut" führen kann. Da dieses Problem bei den modernen Immunmodulatoren nicht auftreten kann, können diese auch über längere Zeit kontinuierlich oder mit Unterbrechungen eingesetzt werden. Dies ermöglicht eine neue Art des Langzeitmanagements der Neurodermitis.
Es wird von Experten empfohlen, die neue Creme schon bei den ersten Anzeichen eines Krankheitsschubes aufzutragen, um neue Schübe bereits im Ansatz zu verhindern (siehe Abbildung 1). Führende Wissenschaftler haben sich zur Festlegung von Behandlungsstandards im Rahmen der "International Consensus Conference on Atopic Dermatitis II (ICCAD II)" auf ein neues Vorgehen bei der Neurodermitistherapie geeinigt. Hierbei wurde die Wichtigkeit der Vorbeugung unterstrichen und festgestellt, dass die Standardbehandlung der Neurodermitis auf eine optimale langfristige Therapie auf der Grundlage neuartiger Wirkstoffe wie Pimecrolimus ausgerichtet sein sollte. Lesen Sie hierzu auch unsere Beiträge in der Rubrik Aktuelles vom 15. Dezember 2003 und vom 20. November 2003.
Das neue Medikament ist zur Behandlung akuter Entzündungsreaktionen geeignet und besitzt eine sehr gute Verträglichkeit. Es gibt keinerlei Einschränkungen bezüglich der Behandlungsdauer, der maximal zu behandelnden Körperoberfläche oder der anzuwendenden Menge, da der Wirkstoff nicht oder nur in äußerst geringen Mengen in den Körperkreislauf gelangt. Die Creme kann problemlos im Gesicht, am Hals und in anderen empfindlichen Bereichen angewendet werden. In klinischen Studien ließ sich schon innerhalb einer Woche eine deutliche Besserung des Krankheitsbildes nachweisen.
Die neuen Substanzen entfalten Ihre Wirkung, indem sie einen Informationsstoff der Zelle (Calcineurin) blockieren und dadurch die Ekzemreaktion unterbrechen. Hauptangriffspunkt ist eine spezielle Immunzelle des Körpers in der Haut, die T-Zelle. Zur Gruppe der neuen "Calcineurininhibitoren" gehören die Wirkstoffe Pimecrolimus und Tacrolimus (Handelspräparat Protopic).
Typisch für alle Calcineurininhibitoren sind örtliche unerwünschte Wirkungen im Sinne eines Brennens bzw. Juckreizes oder einer Rötung und eines Hitzegefühls an der Auftragstelle. Normalerweise verschwindet dieser Effekt jedoch nach einigen Anwendungen. Die Haut ist während der Behandlung empfindlicher gegenüber Hitze und Kälte, ausserdem kann die Haut nach Alkoholgenuss gereizt sein. Infektionen im behandelten Areal treten unter den modernen Medikamenten nicht häufiger auf als unter Kortisoncremes. Auf infizierter Haut dürfen topische Immunmodulatoren jedoch nicht angewandt werden. Während der Anwendung von Calcineurininhibitoren sollte Sonnenlicht prinzipiell vermieden bzw. geeignete Lichtschutzmaßnahmen angewandt werden. Baden und Duschen macht die Haut empfindlicher, die Salbe sollte daher nicht direkt danach aufgetragen werden. Des weiteren wird die Anwendung der Präparate unter einem Verband wegen der erhöhten Aufnahmerate nicht angeraten. In der Schwangerschaft und der Stillzeit dürfen topische Immunmodulatoren nicht angewandt werden. Bei Kindern unter 2 Jahren können die neuen Medikamente resultierend aus den Zulassungsbedingungen nicht eingesetzt werden. Es gibt jedoch bereits zahlreiche wissenschaftliche Daten die belegen, dass ein Einsatz der Cremes auch bei Kleinkindern ab 3 Monaten möglich ist.