Startseite Aktuelles Grundlagen Arztbesuch Diagnostik Therapie Vorbeugen Expert*innen-Rat Häufige Fragen Links Newsletter Impressum
 
menü | Startseite : Vorbeugen : Proaktive Therapie

Vorbeugung von Neurodermitisschüben durch Proaktive Therapie mit Calcineurin-Inhibitoren in schubfreien Zeiten

Kommt es im Verlauf der Neurodermitis-Erkrankung zu einem akuten Ekzemschub, stehen äußerliche antientzündliche Therapieoptionen wie Kortisonpräparat und Calcineurin-Inhibitoren im Vordergrund. Topische Calcineurin-Inhibitoren (TCI) weisen dabei im Gegensatz zu Kortisonpräparaten auch bei längerer Anwendung kein Risiko einer Hautverdünnung auf. Die Therapie mit dem TCI Tacrolimus-Salbe hat dabei neben der antientzündlichen Wirkung auch einen positiven Einfluss auf die Neuorganisation der epidermalen Barrierelipide.

Dies bestätigen Daten einer Studie, die ebenfalls auf der Auswertung interzellulärer Lipidlamellen basiert. In dieser Untersuchung behandelten Patienten mit Neurodermitis (atopisches Ekzem) akute Neurodermitis-Herde am Unterarm zehn Tage zweimal täglich entweder mit Tacrolimus-Salbe oder einer Kortison-Fettcreme. Es bestätigte sich zunächst die effektive antientzündliche Wirksamkeit beider Präparate. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass die Neuorganisation der Hautbarriere mit Tacrolimus-Salbe deutlich besser bewerkstelligt wird: Unter dem Kortisonpräparat verdoppelte sich die Länge der Lipidlamellen im Zwischenzellraum innerhalb von zehn Tagen, unter Tacrolimus-Salbe vervierfachte sie sich hingegen. "Die 0,1%-ige Tacrolimus-Salbe führt zu einer deutlich stärker ausgeprägten Steigerung der Lipide der Hautbarriere, als dies unter dem Kortisonpräparat der Fall ist", kommentierte Prof. Fölster-Holst von der Universität Kiel im Rahmen der 24. Fortbildungswoche für Dermatologie und Venerologie 2014 in München.

Eine gestörte äußere Hautschicht (epidermale Barriere) gehört Prof. Dr. Regina Fölster-Holst zufolge zu den zentralen Ursachen der Neurodermitis (atopisches Ekzem). Dieser Barriere-Defekt erleichtert die Penetration von Schadstoffen und Allergenen, was über immunologische Mechanismen eine atopische Entzündung der Haut auslösen kann. Neben der Barrierestörung weist die Haut von Menschen mit einem atopischen Ekzem auch außerhalb des akuten Schubes eine anhaltende unterschwellige Entzündung auf - die Grundlage für die nächste Verschlechterung der Haut. Deshalb ist heute statt einer rein reaktiven Behandlung akuter Ekzeme der proaktive Behandlungsansatz in den Vordergrund gerückt. Beim proaktiven Ansatz wird Tacrolimus-Salbe über einen längeren Zeitraum zweimal wöchentlich auf zuvor befallene Hautareale aufgetragen.

Auf dem Kongress in München stellte auch Prof. Andreas Wollenberg, bekannt aus der "Sprechstunde" auf Neurodermitistherapie.info, die Ergebnisse einer klinischen Studie vor. In dieser profitierten die Patienten von der proaktiven Therapie (vorbeugende Anwendung von Tacrolimus-Salbe 2x/Woche) mit einer geringeren Zahl an akuten Ekzemschüben im Vergleich zu Patienten, die nur eine reaktive Therapie erhalten hatten (Tacrolimus-Salbe nur beim Ekzemschub). So war unter der proaktiven Therapie die Zeit bis zum Auftreten des ersten Schubes fast zehnmal so lange als unter reaktiver Therapie (15 vs. 142 Tage). Eine analoge Studie mit Kindern kam zu vergleichbar guten Ergebnissen. Die Therapie war in beiden Studien gut verträglich. Wollenberg betonte: "Erfreulicherweise unterschied sich die in den Studien unter proaktiver Therapie verbrauchte Salbenmenge pro Jahr nicht von der unter reaktiver Behandlung."

Die Inhalte von Neurodermitistherapie.info können und sollen keinen Arztbesuch ersetzen und stellen keine Anleitung zur Selbstmedikation oder Selbstdiagnose dar. Die Informationen dieser Webseiten inklusive der Experten-Sprechstunden sollen zur Erlangung zusätzlicher Informationen zu einer bereits gestellten Diagnose oder zur Vorbereitung eines Arztbesuches dienen. Empfehlungen hinsichtlich Diagnoseverfahren, Therapieformen, Medikamenten oder anderer Produkte werden nicht gegeben.
Bitte lesen Sie hierzu die Nutzungsbedingungen mit Haftungsausschluss und beachten unsere Datenschutzerklärung.
© 2026 medical project design GmbH